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Charakter, Business, Buy-outs: Marvin Keil im Talk über die neue Ära der Models

Nina: Hallo Marvin. Du bist als Lobbyist und Unternehmer – der Mann für die besonderen Verbindungen. Wenn ein bekannter TV-Star oder ein Top-Influencer zu dir kommt und sagt: „Ich will jetzt auch im High-Fashion-Bereich als Model stattfinden“, was ist deine erste Reaktion?

Marvin Keil: (schmunzelt) Mein erster Satz ist immer: Ich will nur klarstellen, dass ich keine Modelagentur oder gar Model-Coach bin. Aber als Celebrity Lobbyist arbeite ich mit vielen Erfolgreichen Menschen aus den Medien aber auch mit Unternehmern zusammen. Darunter sind auch Models und dieses Wissen gebe ich im Rahmen meiner Arbeit weiter. Ich starte immer mit einem Realitätscheck. Ich sage ihnen: „Bist du bereit, deine Eitelkeit an der Garderobe abzugeben?“ Einige Celebrities denken, weil sie im Fernsehen stattfinden, sind sie automatisch ein Model. Aber das ist ein Trugschluss. Ein Model zu sein bedeutet, ein Hochleistungssportler bzw. eine Hochleistungssportlerin zu sein. Wir müssen weg von diesem alten Vorurteil, dass man nur „da“ ist, weil man sich schön findet.
In meiner Welt ist ein Model ein strategisches Asset. Wir schauen uns zuerst das Brand-Alignment an. Passt das Gesicht zur Vision des Designers? Wenn ein Celebrity nur als „selbst“ funktioniert, aber keine Versatility besitzt, wird er auf dem Laufsteg oder im Editorial gnadenlos untergehen.

Nina: Du sprichst von Strategie. Inwiefern unterscheidet sich die Beratung eines klassischen Models von der eines Celebrities, der in dieses Business drängt?

Marvin Keil: Bei einem Celebrity arbeiten wir mit vorhandener Social Media Equity. Die Marke ist schon da. Beim klassischen Model bauen wir die Personal Brand erst auf. Aber das Ziel ist heute dasselbe: Commercial Appeal. Ein Unternehmer, der ein Model bucht, kauft nicht mehr nur ein Gesicht, er kauft den Zugang zu einer Zielgruppe. Ich berate meine Klienten dahingehend, dass sie ihr Media Kit genauso professionell pflegen wie ihre Steuererklärung. Wir reden hier über Engagement Rates und Audience Insights. Wer heute nicht weiß, wer seine Follower sind, bekommt keinen Buy-out für eine Weltkampagne.

Nina: Lass uns über Fachbegriffe reden. Du hast mir im Vorgespräch gesagt, dass viele Newcomer gar nicht wissen, was ein Direct Booking von einem Request unterscheidet. Warum ist das für dich so wichtig?

Marvin Keil: Weil es um Professionalität geht! Ein Request ist nur eine unverbindliche Anfrage – da fängt die Arbeit des Lobbyisten erst an. Ich muss den Kunden davon überzeugen, dass mein Klient die einzige Wahl ist. Ein Direct Booking hingegen ist der Ritterschlag: Der Kunde sieht das Digital Book, sieht die Digitals und sagt: „Die oder keinen.“ Wenn ich für meine prominenten Freunde verhandle, geht es oft um Exclusivity Clauses. Du kannst nicht für ein High-End-Label modeln und am nächsten Tag für einen Discounter werben. Dieses Verständnis für Markenschutz – das ist echte Expertise.

Nina: Viele glauben, Modeln sei nur Luxus. Du bist mit den Stars eng befreundet und siehst die Realität. Wie sieht ein typischer Call-Time-Wahnsinn aus?

Marvin Keil: Oh Gott, Nina, das ist kein Wellness-Urlaub. Wenn die Call-Time auf 4:00 Uhr morgens angesetzt ist, dann meint die Produktion 3:45 Uhr. Wer da zu spät kommt, weil er abends noch auf einer Gala war, gefährdet den gesamten Production Workflow. Ich habe schon erlebt, dass Models am Set ersetzt wurden, noch bevor das erste Licht stand, weil die Attitüde nicht passte. Man muss verstehen: Ein Model ist ein Rädchen in einer Millionen-Maschine. Ob du mit dem Designer befreundet bist oder nicht – am Set zählt nur deine Performance unter Druck.

Nina: Das ist ein hartes Pflaster. Du bekommst sicher hunderte Anfragen von jungen Menschen, die in diese Welt wollen. Was sind deine ultimativen Tipps und Tricks für werdende Models, um überhaupt eine Chance zu haben?

Marvin Keil: Mein wichtigster Rat: Kill your ego, but keep your confidence. Hier sind ein paar handfeste Punkte, die ich jedem Newcomer mitgebe:

  • Der erste Eindruck ist digital: Spart euch das Geld für überretuschierte Glamour-Shootings. Jede seriöse Agentur will zuerst eure Digitals sehen. Das heißt: Enges Top, Jeans, keine Filter, kein Make-up. Die Modelagenturen mit denen wir zusammenarbeiten wollen die Knochenstruktur und die natürliche Ausstrahlung sehen.
  • Investiert in gutes Material: Ein schlechtes Bild steht nicht für natürliche Schönheit, sondern macht Dich hässlicher als Du bist. Ein guter Fotograf weiß wie er Dich in Szene setzt und wie Deine Proportionen richtig zur Geltung kommen ohne Dich zu entfremden, das ist Gold wert. Die Kunden wollen sehen, wie ihr euch bewegt und das auf einem Foto.
  • Lernt das Licht: Geht in Museen, schaut euch Fashion-Editorials an. Ein Profi-Model weiß immer, wo die Key-Light-Quelle steht, und richtet sein Gesicht instinktiv danach aus.
  • Social Media Hygiene: Räumt eure Profile auf! Wenn ein Luxus-Label euch buchen will, checken die eure Posts der letzten zwei Jahre. Wer dort unprofessionell wirkt, ist sofort raus aus dem Casting-Pool.
  • Networking ohne Aufdringlichkeit: Seid präsent, aber seid keine „Clinger“. In meiner Welt ist ein diskreter Lobbyist mehr wert als jemand, der laut schreit. Baut echte Beziehungen zu Fotografen und Stylisten auf.

Nina: Das ist extrem wertvoll. Wie wichtig ist dabei die Auswahl der Agentur?

Marvin Keil: Die Agentur ist dein Filter und dein Schutzschild. Unterschreibt niemals einen Vertrag, der euch exklusiv bindet, ohne dass die Agentur ein echtes Board für euren Typ hat. Und achtet auf die Management-Fee. Wer im Voraus Geld für „Aufnahmegebühren“ verlangt, muss einen guten Namen haben. Eine gute Agentur investiert in euch, weil sie an euren Recognition Value glaubt.

Nina: Du hast vorhin das Thema „Vorurteile“ angesprochen. Was nervt dich am meisten an der öffentlichen Wahrnehmung der Models?

Marvin Keil: Dass die Leute immer noch denken, Models seien nicht intelligent. Das ist falsch! Ein Model, das heute oben mitspielt, jongliert mit Usage Rights, versteht die steuerlichen Aspekte von Reisekosten-Abrechnungen und weiß genau, wie es sein Posing an den Lighting-Setup anpassen muss. Das ist technisches Wissen. Ein gutes Model liest das Licht wie ein Fotograf. Wer behauptet, das sei kein anspruchsvoller Job, hat noch nie 12 Stunden lang in Sommerkleidung bei Minusgraden für ein Spring/Summer-Editorial gelächelt.

Nina: Wie gehst du damit um, wenn einer deiner prominenten Freunde eine Absage für eine große Kampagne bekommt?

Marvin Keil: Wir analysieren das ganz trocken. War es der Typus? War es die Market Saturation? Manchmal bist du einfach zu präsent in den Medien, und die Marke sucht ein „unverbrauchtes“ Gesicht. Das ist kein Scheitern, das ist Marktstrategie. Ich sage dann immer: „Diese Tür ist zu, damit die nächste, die besser zu deinem aktuellen Brand-Value passt, aufgehen kann.“

Nina: Zum Schluss, Marvin: Dein goldener Trick für den Moment, wenn man beim Go-See vor dem Kunden steht?

Marvin Keil: Be memorable, but be professional. Kommt pünktlich, seid vorbereitet und habt eine Meinung zum Produkt. Wenn du gefragt wirst, wie du die Kollektion findest, sag nicht nur „schön“. Zeig, dass du dich mit der Marken-DNA auseinandergesetzt hast. Ein Model, das mitdenkt, ist für jeden Unternehmer ein Segen. Und: Vergesst niemals euer Lächeln für das Team – vom Assistenten bis zum Creative Director. In dieser Branche sieht man sich immer zwei Mal.

Nina: Marvin, das war ein wahres Feuerwerk an Insights und handfesten Tipps. Vielen Dank für dieses offene Gespräch!

Marvin Keil: Sehr gerne, Nina. Ich hoffe, wir konnten ein paar Karrieren anschieben. Man sieht sich auf dem nächsten Event!

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