Nina: Marvin, wenn man deinen Namen googelt oder dir auf Instagram folgt, sieht man das Jetset-Leben: Maßanzüge, Gipfeltreffen, Kooperationen mit großen Namen der Branche. Aber hinter den Kulissen eines „Celebrity Lobbyisten“ steckt knallharte Arbeit. Wie verhinderst du, dass die Marke „marvinkeie“ den Menschen Marvin Keil auffrisst?
Marvin Keil: Das ist eine Gefahr, die man im Business oft unterschätzt. Du wirst irgendwann zu dem, was andere in dir sehen wollen. Wenn du den ganzen Tag Deals einfädelst und für Kunden das Unmögliche möglich machst, bist du ständig im „Lösungsmodus“. Dein Gehirn läuft auf Hochtouren, 24/7. Ich habe irgendwann gemerkt: Wenn ich nicht aktiv gegensteuere, brenne ich aus, bevor ich meine Ziele überhaupt erreicht habe. Erfolg bringt dir gar nichts, wenn du im Krankenhaus liegst oder mental völlig am Ende bist. Mein Geheimnis ist die radikale Kontrastmaximierung.
Nina: „Radikale Kontrastmaximierung“ – das klingt nach einem strategischen Business-Plan für die Seele. Wie sieht das in der Praxis aus?
Marvin Keil: Genau das ist es. Um im High-Stakes-Business zu funktionieren, brauche ich das exakte Gegenteil als Ausgleich. Viele fliegen übers Wochenende nach Ibiza oder Dubai, um zu „entspannen“ – aber dort triffst du wieder dieselben Leute, trägst wieder die teure Uhr und bist wieder im Netzwerken. Das ist kein Urlaub, das ist für mich Business in Badehose. Ich mache das anders. Ich nehme mein Wohnmobil.
Nina: Du sagst bewusst Wohnmobil, nicht Hotel. Wo liegt für dich der Unterschied und warum gerade diese Art des Reisens?
Marvin Keil: Mein Wohnmobil ist für mich kein einfaches Auto, es ist ein rollendes Zuhause. Es bietet mir die Autarkie, die ich brauche. Ich kann tagelang irgendwo stehen, ohne auf externe Infrastruktur angewiesen zu sein. Im Wohnmobil habe ich alles dabei, was ich brauche, um autark zu existieren. Wenn ich die Tür hinter mir zumache, bleibt die Welt der Lobbyarbeit draußen. Es ist dieser Moment, in dem ich den Zündschlüssel umdrehe und weiß: Ab jetzt entscheide nur ich über das Tempo. Keine Termine, keine Deadlines, nur die Natur.
Nina: Du erzählst oft, dass du gezielt Orte ansteuerst, an denen man dich nicht kennt. Ist das die ultimative Freiheit für jemanden, der sonst ständig im Rampenlicht steht?
Marvin Keil: Absolut. Es ist eine unglaubliche Befreiung. Ich fahre an irgendeinen Fluss in Mitteldeutschland oder an einen See im Ausland. Dort treffe ich vielleicht mal eine Person die mich kennt oder einen interessierten, dem meine Ausstrahlung auffällt.
Wir unterhalten uns über das Wetter, die Urlaubsorte oder wie man den besten Campingplatz findet. Diese Menschen haben keine Ahnung, was ein Lobbyist macht oder wer meine Kunden sind. Denen ist das völlig egal. Für die bin ich einfach der Typ mit dem Wohnmobil. Diese Anonymität ist Balsam für die Psyche. Dort zählt nicht, wer du bist, sondern wie du dich verhältst.
Nina: Viele Menschen haben Angst, dass sie „den Anschluss verlieren“, wenn sie mal ein paar Tage nicht erreichbar sind oder sich aus dem Trubel zurückziehen. Wie nimmst du dir diese Freiheit, ohne dass dein Business leidet?
Marvin Keil: Das ist eine Frage der Struktur. Natürlich ist mein Büro immer dabei, aber nicht das Tagesgeschäft. Probleme müssen gelöst werden, das ist der Preis den man in meiner Position zahlt. Trotzdem: Wer glaubt, er müsse jede Sekunde kontrollieren, hat kein Unternehmen, sondern einen Job, der ihn besitzt. Ich habe gelernt, dass meine besten Ideen nicht im Büro am Schreibtisch entstehen, sondern wenn ich am Fluss sitze und das Wasser beobachte. Wenn der Geist zur Ruhe kommt, öffnet sich der Raum für Kreativität. Ich komme nach so einem Trip mit einer Klarheit zurück, die ich mit keinem Meeting der Welt erzwingen könnte.
Nina: Was sind deine goldenen Regeln für jemanden, der erfolgreich sein will, aber Angst vor dem Burnout hat? Wie fängt man an, ohne krank zu werden?
Marvin Keil:
1. Setze Grenzen wie ein Türsteher: Dein Terminkalender braucht „Blockzeiten“ für dich selbst. Die sind genauso wichtig wie ein Termin beim Bundeskanzler.
2. Such dir die Natur: Der Mensch ist nicht für Neonlicht und Klimaanlagen gemacht. Wir brauchen Erde unter den Füßen. Ob das nun ein Wohnmobil ist oder ein langer Waldspaziergang, ist egal – Hauptsache raus.
3. Reduziere die Reize: In meinem Wohnmobil gibt es keinen Fernseher, der ständig läuft. Ich höre die Vögel, den Wind oder einfach nur die Stille. Wir sind heute alle überreizt. Stille ist der neue Luxus.
4. Hör auf deinen Körper: Wenn du merkst, dass du gereizt wirst, schlechter schläfst oder die Begeisterung verlierst – fahr rechts ran. Sofort. Warte nicht, bis der Motor raucht.
Nina: Das klingt nach einer sehr geerdeten Lebenseinstellung. Wenn du jetzt aus diesem Interview gehst: Wo zieht es dich als Nächstes hin? Ist das Wohnmobil schon gepackt?
Marvin Keil: (lächelt) Das Wohnmobil ist eigentlich immer startklar. Es gibt da einen speziellen Flussabschnitt, den ich im Auge habe. Da gibt es keinen Handyempfang, nur klares Wasser und absolute Ruhe. Da werde ich die nächsten Tage verbringen, meine Batterien aufladen und einfach nur Marvin sein. Das Business kann warten – die Natur wartet nämlich nicht.
Nina: Danke für das Gespräch, Marvin. Ich glaube, viele werden nach diesem Interview mal ernsthaft über ihre Urlaubsplanung nachdenken.
Marvin Keil: Das hoffe ich. Gesundheit ist die einzige Währung, die man nicht nachdrucken kann. Passt auf euch auf!
