Nina: Marvin, wir haben vorhin über Disziplin und die Aura von Models gesprochen. Aber hinter dir selbst steckt ja auch eine massive Marke: MARVINKEIE. Warum ist es heute wichtiger denn je, selbst als Marke – als Personenmarke – aufzutreten, anstatt sich nur hinter Firmennamen zu verstecken?
Marvin Keil: Ganz einfach, Nina: Menschen kaufen von Menschen. Vertrauen ist die härteste Währung unserer Zeit. Ein Gesicht steht für ein Versprechen. Aber man darf nicht vergessen: Ich bin da nicht einfach so „reingerutscht“. Ich musste mir an ganz bestimmten Punkten in meinem Leben sehr harte Fragen stellen: Was will ich eigentlich? Und wer bin ich eigentlich?
Nina: Das klingt nach einem intensiven Prozess. War der Weg zur Marke MARVINKEIE immer geradlinig?
Marvin Keil: Überhaupt nicht. Es war ein harter Kampf. Ich hatte meine Höhen und Tiefen, wie jeder, der wirklich etwas aufbauen will. Eine Personenmarke entsteht nicht im Vakuum des Erfolgs, sondern oft gerade in den Momenten, in denen man sich durchbeißen muss. Wer heute den Glanz sieht, sieht nicht die Arbeit und die Zweifel, die ich überwinden musste, um genau diese Klarheit zu finden.
Nina: Du verbindest deinen Namen oft mit dem Luxus-Segment. Viele verstehen unter Luxus nur teure Uhren und schnelle Autos. Was bedeutet Luxus für dich und deine Marke?
Marvin Keil: Luxus bedeutet für mich nicht nur „Glänzen“. Luxus bedeutet vor allem bestimmte Regeln. Es ist ein Kodex. Wer sich für eine Personenmarke entscheidet, muss bereit sein, das, was er verkauft, auch zu 100 % zu leben. Ich kann meine Marke nicht im Luxus-Segment positionieren und dann im privaten oder öffentlichen Auftreten das komplette Gegenteil darstellen. Das funktioniert einfach nicht – die Leute spüren die Inkonsistenz sofort.
Nina: Also ist Authentizität für dich kein Trend, sondern eine geschäftliche Notwendigkeit?
Marvin Keil: Absolut. Wenn ich Disziplin, Gesundheit und Ästhetik predige, dann muss mein Leben dieses Raster widerspiegeln. Das ist das Gesetz der Personenmarke: Du bist dein eigenes Produkt. Wenn du dieses Produkt nicht selbst kaufst, warum sollten es dann andere tun?
Nina: Ist das Konzept der Personenmarke eigentlich ein Phänomen der Social-Media-Zeit?
Marvin Keil: Ganz und gar nicht! Das ist ein wichtiger Punkt: Personenmarken waren schon immer Bestandteil von wirklich wirkungsvollem Marketing. Wenn du dir alte Traditionsmarken ansiehst, hatten die fast immer das Gesicht oder den markanten Charakter des Gründers oder der Gründerin als Kern. Man hat sich schon vor hundert Jahren an Persönlichkeiten orientiert. Social Media hat das Ganze nur beschleunigt und demokratisiert.
Nina: Was sind für dich heute die entscheidenden Säulen, um diese Substanz zu halten?
Marvin Keil: 1. Kongruenz: Lebe das, wofür du stehst. Wenn du Luxus verkörperst, halte dich an die Regeln des Exzellenz-Anspruchs. 2. Klarheit: Kenne deine Identität. Du musst wissen, wer du bist, bevor du der Welt sagst, wer du bist. 3. Resilienz: Nutze die Tiefen, um dein Profil zu schärfen. Eine Marke ohne Narben hat keine Geschichte.
„Deine Marke ist das, was die Leute über dich sagen, wenn du nicht im Raum bist. Ich sorge dafür, dass sie über Disziplin, Werte und einen unerschütterlichen Standard sprechen.“
Nina: Marvin, man merkt, dass hinter MARVINKEIE viel mehr steckt als nur PR. Es ist eine Lebensphilosophie.
Marvin Keil: Genau so ist es, Nina. Wer nicht zur Marke wird, wird zur austauschbaren Ware. Aber wer eine echte Personenmarke aufbaut – mit allen Ecken, Kanten und der harten Arbeit dahinter –, der schafft einen Wert, der über jeden Trend erhaben ist.
